Am letzten Spieltag der Nordliga Frauen kam es zwischen den Gästen des Barleber HC und den gastgebenden Eiche-Damen aus Biederitz zum vorgezogenen Pokalfinale, quasi Finale 1.0.

Im Vorfeld war bei den Barleberinnen viel diskutiert worden. Nochmal alles geben, um so mit einem positiven Gefühl ins Finale 2.0 am 18. Mai zu gehen, oder den Spielerinnen den Vortritt lassen, welche in den Spielen der nun abgelaufen Saison nur sporadisch zum Einsatz kamen. Am Ende entschied man sich für eine gute Mischung, mit der man gewillt war, den Gastgeberinnen den Sieg nicht einfach zu schenken, und bis zum Ende Paroli zu bieten.

Die ersten 10 Minuten waren dann doch mehr ein Abtasten und ein "nicht-in-die-Karten-gucken-lassen", als ein ansehnliches Handballspiel. Mit einem 3:2 aus Sicht der Eiche-Spielerinnen ging es dann in das zweite Drittel der ersten Halbzeit. Die Scheu wurde nun beiderseitig abgelegt und es entwickelte sich phasenweise ein ganz gutes Spiel. Während Biederitz mit 2 schnellen Toren erstmalig davon zog, konnten sich die Breustedt und Co. wieder ran kämpfen und das Spiel bis kurz vor der Pause (9:7) offen gestalten. Allein am Ergebnis sah man, dass das Spiel durch die Abwehrreihen bestimmt wurde, wobei hier die Barleberinnen mehr Fortune in ihren Abschlüssen gebraucht hätten. Allein 4 freie Bälle im ersten Durchgang wurden durch die gut aufgelegte Doreen Schieke im Tor der Biederitzerinnen vereitelt. Zudem gesellten sich noch 2 von insgesamt 4 nicht verwandelten Strafwürfen. Bis zum Pausentee konnten die Gastgeberinnen den Vorsprung nochmal auf 11:7 erhöhen. Nennenswerteste Situationen im Abschnitt waren neben der starken Abwehrleistung und der mangelnden Chancenverwertung der Barleberinnen, die sehr harte Gangart der 05-erinnen. Viele kleine Nickligkeiten, bis hin zu einem Block von Janina Gericke, der mehr im Gesicht ihrer Gegenspielerin landete, als am Ball. Diese Situation wusste das Gespann Etzold/Zerlin noch ganz gut zu beurteilen. Hätte das Gespann an dieser Stelle sich nicht für die Zeitstrafe, sondern für eine Disqualifikation entschieden, wären die weiteren 40 Minuten wahrscheinlich ruhiger und weniger verletzungsanfällig geblieben. In dieser Szene ließ sich Anika Bortfeldt auch noch eine Aussage entlocken, die das Gespann mit der "blauen Karte" ahndete.

Im zweiten Abschnitt das gleiche Bild. Biederitz sehr aggressiv, am Rande der Legalität, in der Deckung, und die Barleberinnen mit zu wenig Ideen über das Positionsspiel. Carina Witte ließ es sich nach 35. Minuten erneut nicht nehmen, einen schönen Durchbruch von Anna Bogdahn, regelwidrig und mit hohem Verletzungspotential zu stoppen. Das Gespann zeigte hier völlig berechtig die Disqualifikation, welche aus Sicht der Gäste, bereits im ersten Abschnitt hätte gezeigt werden müssen. Während die Biederitzerinnen die ersten 10 Minuten Tor um Tor erzielten und bis auf 22:11 davon zogen, verschwanden aller Wille und jegliche Spielfreude auf Seiten des BHC. Diese Phase gipfelte in einer erneut kleineren Rudelbildung, bei der sich diesmal Stephanie Blume aus Sicht der Unparteiischen nicht im Griff hatte, und quittierte ihre Aussage ebenfalls mit einer "Blauen". 2 Blaue Karten, in einem Spiel, in dem es darum ging, sich für das Finale einzuspielen, und auch ein paar Dinge zu probieren. Alles über den Haufen geworfen, weil man das Temperament nicht im Griff hat. Am liebsten wäre man direkt gegangen, doch die letzten 20 Minuten mussten auch noch gespielt werden. 11 Tore Vorsprung, doch Biederitz dachte nicht daran, einen Gang runterzusschalten. Noch immer kämpfte man, als ginge es noch um alles. Noch immer schaffte man es nicht, sich regeltechnisch korrekt in der Abwehr zu bewegen. Für die Gäste und deren treue Zuschauer machte es nunmehr den Eindruck, dem einen oder anderen Spieler tatsächlich zu schaden, sodass dieser in 2 Wochen nicht mitwirken kann. Aber zurück zum Spiel. Mit 5 Toren in Folge, auch bedingt durch die 05-er Strafminuten, wurde der Rückstand bei 5 bis 6 Toren gehalten. Am Ende verlieren die Barleberinnen das Rückspiel mit 29:21 (11:7). Eine Niederlage, die nicht unverdient ist, bei der doch gleich mehrere fade Beigeschmäcker bleiben. Es bleibt abzuwarten, wie die spielleitende Stelle die Disqualifikationen mit Bericht bewertet. Im worst Case müssen die Barleberinnen auf 2 Leistungsträgerinnen verzichten.

Die Gäste zeigten in dieser Saison meist ihre beste Leistung, wenn man selbst mit dem Rücken zur Wand steht. Noch ist also nicht aller Tage Abend. Oder wie heißt es so schön "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze". Davon können die Barleberinnen selbst nur zu gut ein Lied von singen. Schließlich hat man im Halbfinale doch recht deutlich und überzeugend den Meister der diesjährigen Nordliga aus dem Wettbewerb geworfen. Hoffen wir nun, dass aller Frust und Ärger, alle Emotionen für das Finale gesammelt werden kann und sich dann im Finale 2.0 entlädt, mit dem Ziel, dem ewigen Zweiten aus Biederitz in die Schranken zu weisen, und sich selbst den Pokal zu holen.

BHC: Brinkmann, Mölle - Bortfeldt (1/1), Gabriel (1/1), Schaarschmidt, Bogdahn (2), Osterburg (1), Schmidt (5/0), Breustedt (4/3), Blume (2), Stadler, Uniewski (1/1), Kobilke (2), Feige (2/1)