Alles oder nix hieß es am letzten Wochenende. Im Pokalfinale in der Irxleber Wildparkhalle trafen der Vizemeister der Nordliga, die Damen des SV Eiche 05 Biederitz, auf die Damen des Barleber HC, die die Saison auf dem 8. Platz beendeten.

Im Spielbetrieb setzten sich die Eiche-Spielerinnen zweimal klar durch (29:19 und 29:21). Doch man darf hier ruhig das Phrasenschwein bedienen. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze". Während Die Favoriten von der Ehle recht deutlich und ohne viel Aufwand ins Finale einzogen, musste sich die Barleberinnen vor allem im Halbfinale deutlich strecken, um gegen den Nordligameister, und nunmehr Aufsteiger in die Sachsen-Anhalt-Liga ("Glückwunsch" Anm. d. Red.), vom Post SV Magdeburg, zu bestehen (31:27) und ins Finale einzuziehen.

Viele Sportpsychologen haben viele Meinungen. Während die einen sagen, man solle vor einem wichtigen Spiel die atypischen Abläufe in der Vorbereitung nicht ändern, sagen andere wiederrum, dass es genau das ist, was den Unterschied ausmacht. Anders rangehen. Mit links, statt mit rechts aufstehen. Anstatt einem Kaffee, einen Espresso zum Frühstück. Es sind die kleinen Dinge, die ein solches Finale schreiben. Und so war es den Damen des Barleber HC auch vorbehalten, eine Kabine vorzufinden, die man sonst so nur in den "bezahlten Ligen" findet. Ein kleines Dankeschön des Trainergespanns Lindau/Schlöricke, für eine lange Saison, die mit Höhen und Tiefen geebnet war, man am Ende aber immer an einem Strang zog, um den gemeinsamen Erfolg zu erreichen.

Mit extra angefertigten Eventshirts, danke hier an unsere Unterstützer (siehe unten), ging es dann mit etwas Verzögerung an die Erwärmung. Man merkte auf beiden Seiten eine gewisse Anspannung. Pünktlich um 14:30 starteten die Unparteiischen Musche/Splitt die Partie. Lautstarke Unterstützungen auf beiden Seiten der Fanlager brachten die Halle von Beginn an zum Kochen. Den besseren Start erwischten eindeutige die lt. Partie vorn stehenden Gastgeberinnen aus Barleben. Bis zur 10. Minute und einer 5:2 Führung, fand der Favorit überhaupt nicht ins Spiel. Doch gleich drei Fehler im Spielaufbau brachten die Biederitzerinnen zu einfachen Toren und die Partie war schon zu Beginn auf den Kopf gestellt. Zwar konnte der BHC die Führung bis zum 9:8 (20.) weiter behaupten, doch gedanklich schien man nicht mehr in der Lage zu sein, das Tempo, welches Biederitz vor allen in den Gegenstöße aufsetzte, Folge leisten zu können. Mit einem 3-Tore Lauf übernahmen die Eiche-Spielerinnen erstmals die Führung 9:11. Bis zur Pause wurde diese noch leicht erhöht, sodass es mit 11:14 aus Sicht der Barleberinnen in die Pause ging.

In der Pause wurde diese "gedankliche Schaffenspause" ganz klar angesprochen. 6 Gegentore in 15 Minuten, bedingt durch einfache Fehler im Spielaufbau und dem mangelndem Rückzugsverhalten, sind die Ursache dafür, dass man im 2. Abschnitt noch mehr für den Pokalsieg kämpfen muss.

Der 2. Abschnitt zeigte dann, dass beide Mannschaften zu Recht im Finale um den Nordpokal standen. Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, welches allerdings mit zunehmender Zeit, schwindender Konzentration und scheinbar immer langsam tickender Uhr zu einem Geduldsspiel wurde, aber auch zu einem Spiel, welches immer mehr Nebenerscheinungen hervorrief, welches das Schiedsrichtergespann nicht immer konsequent ahndete. Hier wären eine "härtere Hand" und vor allem auch eine klarerer Linie wünschenswert gewesen. Die Biederitzerinnen übernahmen im zweiten Durchgang die Feder der Regie. Immer wieder gelang es Gina-Maria Hesse durch die noch so kleinen Lücken in der Barleber Abwehr durchzurutschen und den Erfolg für die Biederitzerinnen zu verbuchen. Auf der Gegenseite mussten die Barleberinnen viel Aufwand investieren, um selbst gegenhalten zu können. Doch Doreen Schieke vernagelte in der entscheidenden Phase vor der "Crunch-Time" das Eiche-Gehäuse, sodass die Führung stetig beim Favoriten lag und zwischen 3 und 4 Toren schwankte. Die "Crunch-Time" dann wiederrum gehörte den nimmermüden Barleberinnen. Immer wieder angetrieben verkürzte man 8 Minuten vor dem Ende erstmalig wieder auf 24:26. Die Auszeit seitens Biederitz kam - leider - zum richtigen Zeitpunkt. Der Spielfluss war erstmal unterbrochen, die Gäste stellten sich neu ein und erzielten 150 Sekunden vor dem Ende beim 31:26 die Vorentscheidung. Aber aufgeben galt heute nicht. Alles oder nix. Die Barleberinnen legten nochmal alles in die Waagschale und kämpften bis zum Schluss. Anika Bortfeldt war dann der letzte Treffer zum 31:29 vorbehalten. Leider hat es am Ende nicht für den Pokalsieg der Barleber Damen gereicht. Aber mit einer Niederlage von 2 Toren kann man mehr als mit erhobenem Haupt vom Feld gehen. Wären da im ersten Abschnitt nicht die 10 Minuten "Blackout" gewesen, wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre. Wäre die Partie nur 5 Minuten länger gelaufen, oder die Verkürzung auf 2 Tore 5 Minuten eher passiert. Wer weiß wie es dann gelaufen wäre. Aber, "Hätte hätte Fahrradkette".

"Die Biederitzerinnen waren im ersten Abschnitt in einer Phase, in der wir keinen Zugriff auf das Spiel hatten, mental einfach stärker und bestraften unsere Fehler eiskalt. Jeder einzelne hat nicht nur heute, sondern auch in der gesamten Saison seinen Beitrag geleistet, dass wir hier und heute überhaupt stehen. Ich bin aber stolz auf unsere Leistung und freue mich nunmehr auf die Sommerpause. Glückwunsch an Biederitz." resümierte Marco Lindau nach der Partie über seine Mannschaft.

Am Ende einer langen Saison bleiben nun ein 8.Platz in der Nordliga und der Titel des Vizepokalsiegers. "Es war eine durchwachsene Saison. Wir nehmen die Saison als Lernprozess für alle und greifen im nächsten Jahr oben an." ist das abschließende Fazit des Barleber Trainergespanns Lindau/Schlöricke, die auch in der neuen Saison die Mannschaft betreuen werden.

Wie es sich zu einem letzten Bericht gehört, bedanke ich mich bei allen Spielerinnen, die im Laufe der Saison die Treue gehalten haben, meine Launen ertragen haben, aber auch das ein oder andere Mal mit mir und über mich lachen konnten ;-)

Ein persönlicher Dank an Marcel, der uns mit seinem Wissen und der Unterstützung im Training und Spiel nochmal helfen konnte, allein in der Rückrunde mehr Punkte zu holen, als es in der gesamten Saison 17/18 der Fall war.

Vielen vielen Dank an euch da draußen. Euch, die ihr so aufmerksam meine Spielberichte lest, immer wieder denkt "Mensch wieder so ein langer Text", aber auch beim Lesen die Treue gehalten habt.

Ein Dank ist nicht annähernd das, was es bedarf, um unseren Familien, Freunden und Zuschauern die Ehre zu erweisen, die sich unser mitunter nicht immer schön ansehendes Spiel angetan haben. Aber wir hoffen, wir konnten euch vor allem mit dem Halbfinale und auch phasenweise mit dem Finale für eine, wie oben bereits geschrieben, durchwachsene Saison entschädigen. Wir geloben Besserung und hoffen, euch alle - und noch viel mehr - auch im nächsten Jahr in den Hallen Sachsen-Anhalts und in unserer schönen Mittellandhölle begrüßen zu dürfen.

Der letzte Dank gilt heute Enrico Gerloff von Sorglosmakler.de und Heino Bögelsack von SkyFly, die uns zum Finale ganz tolle Eventshirts übergeben haben. Gern hätten wir uns auch bei euch mit dem Pokalsieg bedankt. Aber das nächste Finale kommt bestimmt ;-)

Im Finale spielten:

BHC: Lindau, Brinkmann - Bortfeldt (2/1), Schaarschmidt, Bogdahn, Osterburg, Schmidt (5/2), Breustedt (5/1), Blume (8/1), Stadler (1), Uniewski (4), Kobilke, Feige, Woyke (4/3)

Eiche: Schieke - Gericke (2), Swoboda (3), Borrmann, Kumpf (4/0), Witte (6/2), Seemann, Köster, Schottstedt (5/2), Heitmann (5), Stallmann, Beckner, Gehrmann, Hesse (6/0)

Strafwürfe:
BHC --> 8/10
Biederitz --> 4/7

Zeitstrafen:
BHC --> 7
Biederitz --> 3